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Rezension - Die Transformation der DDR-Agrarverfassung in der Zeit von 1945 bis 1960/61

Die Transformation der DDR-Agrarverfassung in der Zeit von 1945 bis 1960/61
Olaf Zinke  


Berlin 1999
ISBN: 3897002167
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Im Rahmen des in den letzten Jahren merklich gestiegenen Interesses an der Agrargeschichte hat sich auch die Zahl derjenigen Publikationen sprunghaft erhöht, die sich mit der Entwicklung der Landwirtschaft der DDR beschäftigen. Bevorzugter Zeitraum bleiben dabei die Jahre zwischen der Bodenreform und dem sogenannten "sozialistischen Frühling", denen sich auch Olaf Zinke in seinem Buch "Die Transformation der DDR-Agrarverfassung in der Zeit von 1945 bis 1960/61" widmet. Der Autor verfolgt mit seiner Studie im wesentlichen zwei Ziele: Einerseits sollen die der Transformation zugrunde liegenden agrarpolitischen Konzeptionen der SED herausgearbeitet, andererseits die daraus resultierenden Ergebnisse beschrieben und evaluiert werden. Nach theoretischen Vorüberlegungen bietet der Verfasser daher zunächst eine chronologische Darstellung der SED-Agrarprogrammatik, um dann die Auswirkungen derselben vor allem anhand institutioneller Veränderungen aufzuzeigen. Diese Herangehensweise erscheint durchaus vielversprechend, ermöglicht sie es doch, sowohl die Ursachen als auch die Folgen der agrarpolitischen Transformation eingehend zu beleuchten. Dem damit verbundenen Anspruch wird der Autor m.E. jedoch nur in begrenztem Maße gerecht. Durch die im chronologischen Teil erfolgte weitgehende Beschränkung auf Willensbekundungen und Beschlüsse der SED-Parteitage, ZK-Tagungen u.ä. ergibt sich notwendigerweise ein doppeltes Defizit, da sich damit weder etwas über die Hintergründe ihrer Entstehung aussagen läßt, noch mögliche Modifikationen im Verlauf ihrer Durchsetzung berücksichtigt werden können. Erst aus der Interdependenz dieser Prozesse erklärt sich jedoch "das jeweilige aktuelle und von den strategisch- taktischen Überlegungen geprägte agrarpolitische Programm" (S. 12) der SED. Indem der Verfasser sozialgeschichtliche Aspekte nahezu unberücksichtigt läßt, reduziert er die Entwicklung der DDR-Landwirtschaft auf die Summe der zentralen agrarpolitischen Entscheidungen der SED. Damit jedoch lassen sich wichtige Abschnitte - wie etwa die Ereignisse um den 17. Juni 1953 - letztlich nicht erklären. Besondere Beachtung verdient das Kapitel über die ordnungspolitisch-institutionellen und sozioökonomischen Auswirkungen der SED-Agrarpolitik. Tatsächlich versteht es der Autor, die Folgen der zentralen Beschlüsse hier ebenso detailliert wie facettenreich darzustellen. Die Entwicklung der Genossenschaften wird dabei ebenso berücksichtigt wie das Agrarpreissystem, die Kirchengüter und vieles andere mehr. Neben vereinzelten sachlichen Fehlern - so fand der Kongreß der landwirtschaftlichen Genossenschaften im März, nicht im Mai 1949 statt - sind es hier vor allem einige Interpretationen, die Widerspruch herausfordern. So ist die Feststellung, daß es der SED nach dem Juli 1953 gelang, "die Kollektivierung im wesentlichen ohne direkte Zwangsmaßnahmen durchzuführen" (S. 197) in mehrfacher Hinsicht anzuzweifeln. Dagegen spricht schon allein die Tatsache, daß der Autor selbst einräumt, lediglich 65 Prozent der Bauern seien der LPG freiwillig beigetreten (S. 170). Die im Jahr 1960 deutlich gestiegene Anzahl der "Republikfluchten" verweist darüber hinaus ebenso auf repressives Vorgehen der politisch Verantwortlichen wie der Anstieg der Selbstmordrate unter der ländlichen Bevölkerung. Nicht zuletzt dienten die noch im Dezember 1961 vom Politbüro der SED (!) beschlossenen vier Todesurteile eindeutig dazu, den anhaltenden Widerstand gegen die Kollektivierung zu brechen. In diesem Zusammenhang von allgemeiner Freiwilligkeit zu sprechen, erscheint somit keinesfalls gerechtfertigt. Als Fazit bleibt festzuhalten: Der Wert der vorliegenden Studie ergibt sich vor allem aus zwei Komponenten. Erstens bietet sie denjenigen wichtige Hilfestellungen, die sich mit den zentralen agrarpolitischen Beschlüssen der SED vertraut machen wollen. Zweitens ist die detaillierte Darstellung der Auswirkungen dieser Beschlüsse durchaus geeignet, einen umfassenden Überblick über die damit verbundenen institutionellen Transformationsprozesse zu erlangen. Darüber hinaus gilt es jedoch, sich der Publikation "wachen Auges" zu nähern und die darin gezogenen Schlußfolgerungen kritisch zu hinterfragen. Jens Schöne


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