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Rezension - Das Geld der Zukunft

Das Geld der Zukunft
A. Lietaer  

Riemann Verlag  
1999
ISBN: 3-570-50008-X
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Für viele Globalisierungskritiker ist "Geld" zu einem Schlüsselwort geworden; in einer neuen monetären Ordnung sehen sie ein Alternativkonzept am Horizont aufschimmern. "Das Geld der Zukunft" hat dieser Bewegung einen neuen Impetus gegeben; es wird in vielen Kommentaren enthusiastisch gefeiert, kritische Auseinandersetzungen mit der von Bernard A. Lietaer präsentierten Perspektive findet man jedoch kaum. Der erste Eindruck: Ein gut gemachtes Buch. Der Haupttext ist aufgelockert durch Grafiken und Karikaturen, Kästen liefern Zusatzinformationen, Szenarien zu dem Jahr 2020 bieten einen unterhaltsamen Einschub. Nach einer Einführung offeriert der Autor in Teil I einen "Leitfaden für das Wesen des Geldes". Der Leser erfährt zum Beispiel etwas über Aktien und Anleihen, Geld als Information, das Zinssystem; genauer gesagt, über Bernard Lietaers Sicht auf diese Phänomene, wobei er besonders die unheilvolle Wirkung von Zinsen betont. Ein kurzer Blick auf den biografischen Hintergrund des Verfassers ist an dieser Stelle hilfreich: er hat über viele Jahre in verschiedenen Funktionen der Finanzwirtschaft praktische Erfahrungen gesammelt, unter anderem als Manager eines Investmentfonds. In den letzten Jahren widmete er sich seinen theoretischen Studien. Insbesondere begab er sich auf eine lange Reise in den Mystizismus, die ihren Niederschlag in dem Buch "Mysterium Geld" fand, aber auch ein wesentliches Element des hier besprochenen Werkes bildet. In Teil II präsentiert Lietaer seine Perspektiven zur Zukunft des Geldwesens. Dabei bezieht er sich auf lokale Währungssysteme, die in Deutschland als Tauschringe und Seniorengenossenschaften bekannt geworden sind. Seine Darstellung solcher Systeme in verschiedenen Ländern illustriert die Mannigfaltigkeit dieser Bewegung. Allerdings ist sie ein wenig oberflächlich: Der Leser erfährt zum Beispiel nichts über die Merkmale des "Time Dollar" Systems im Unterschied zu dem so genannten "LETS"- Modell, dem die Tauschringe weitgehend entsprechen. Lietaer betrachtet diese sozialen Neuerungen als "Komplementärwährungen", als Ergänzung zum herkömmlichen Wirtschaftssystem. Technische Innovationen wie "Smart Cards", so seine Überzeugung, werden ihre Entwicklung weiter befördern. Auch wenn man diese optimistische Perspektive teilt - seine konkreten Vorschläge sind von der Praxis dieser Systeme recht weit entfernt. Ein Beispiel ist die so genannte "Demurrage". Mit dieser "Liegegebühr" soll das Horten von Geld sanktioniert werden. Ein solches Modell - auch Umlaufsicherung genannt - wurde in den Tauschringen immer wieder diskutiert, hat sich aber nie als praktikabel erwiesen. Der Verfasser verweist in einer Vielzahl von Anmerkungen auf die von ihm genutzten Quellen. Aber auch hier wird eine gewisse Oberflächlichkeit deutlich; Lietaer bezieht sich vorwiegend auf Sachbücher, die aus Bestsellerlisten wohl bekannt sind. Die wissenschaftliche Literatur zu den monetären Aspekten der alternativen Geldsysteme bleibt weit gehend unberücksichtigt. Die Autoren aus dem Centre Walras in Lyon wie Jean-Michel Servet, um nur ein Beispiel zu nennen, scheinen ihm unbekannt zu sein. Dass die "Komplementärwährungen" auch aus anderen Blickwinkeln beleuchtet werden - etwa von Soziologen - bleibt dem Leser völlig verborgen. Auch der von Lietaer sehr geschätzte John Maynard Keynes wird zwar als Autorität zur Untermauerung seiner Thesen immer wieder bemüht, doch wer einmal anhand des Namenregisters nach der Verarbeitung keynesianischer Theorieelemente sucht, wird enttäuscht; es bleibt bei einigen allgemeinen Aussagen oder dem Zitat einer Anekdote aus einer Biografie über diesen Ökonomen. Diese Kritik bedarf allerdings einer Einschränkung: Lietaer betont ausdrücklich, dass er sich mit dieser Schrift nicht an Experten, sondern an Laien wendet. Nur, auch die Laien sollten wissen - hier handelt es sich eben nicht um einen Wissenschaftler, der nach einer Vielzahl von Fachpublikationen die Synthese seines Denkens der Allgemeinheit präsentiert. Im letzten Kapitel dieses Buches plädiert der Autor - sozusagen im Vorübergehen - für die Einführung einer globalen Referenzwährung. Dies komplettiert eine Blaupause, mit der Arbeitslosigkeit, ökologische Herausforderung, Überalterung der Gesellschaft usw. bewältigt werden sollen. Den Lesern dieses Buches bleibt zu wünschen, dass sie neugierig gemacht werden auf faszinierende Entwicklungen am Rande unseres Wirtschafts- und Sozialsystems, jedoch die kritische Distanz bewahren, und nicht dem Glauben verfallen, mit dem Umschalten des Geldhebels ließen sich die Herausforderungen unserer Zeit lösen.


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