Effektive Literaturrecherche
Wie du relevante Quellen schnell findest, bewertest und systematisch verwaltst.
Eine gute Literaturrecherche ist keine Googlesuche, die man einmal macht. Sie ist ein iterativer Prozess, der mit dem Thema wächst — und der entscheidet, ob deine Arbeit auf einem soliden Fundament steht oder auf Halbwissen.
1. Die richtigen Datenbanken kennen
Allgemeine Websuchen eignen sich zum Orientieren, nicht für wissenschaftliche Arbeiten. Nutze stattdessen:
| Datenbank | Stärke |
|---|---|
| Google Scholar | Breite Abdeckung; guter Einstieg |
| JSTOR | Geistes- und Sozialwissenschaften, Zeitschriften |
| Web of Science / Scopus | Natur- und Ingenieurwissenschaften, Zitationsanalyse |
| PubMed | Medizin, Biologie |
| SSRN | Wirtschaft, Rechtswissenschaft (Preprints) |
| BASE | Freier Zugang, breite Disziplinen |
Die Bibliothek deiner Hochschule lizenziert meist mehrere davon — nutze den campusinternen Zugang oder das VPN.
2. Suchstrategien: mehr als ein Stichwort
Suche nicht nur mit einem Begriff, sondern mit Kombinationen:
- AND: verknüpft Begriffe (climate change AND policy)
- OR: erweitert (university OR college)
- NOT: schließt aus (depression NOT economics)
- "...": Phrasensuche ("carbon pricing")
- *: Trunkierung (sustain* findet sustainable, sustainability, sustaining)
Teste mindestens drei verschiedene Suchbegriff-Kombinationen, bevor du schlussfolgst, dass wenig existiert.
3. Vom Artikel zur Literaturliste — Schneeballprinzip
Ein guter Übersichtsartikel (Review Article) oder ein einschlägiges Lehrbuch ist ein Ausgangspunkt, kein Endpunkt. Lies das Literaturverzeichnis: Welche Quellen werden immer wieder zitiert? Das sind die Kerntexte deines Feldes. Suche diese direkt — das nennt sich Rückwärtsrecherche.
Vorwärtsrecherche geht in die andere Richtung: Suche in Google Scholar nach Texten, die einen Schlüsselartikel zitieren ("Cited by"). Das zeigt dir den aktuellen Forschungsstand.
Tipp: Wenn drei verschiedene Autoren denselben Text zitieren, ist er ein Muss für dein Literaturverzeichnis.
4. Qualität beurteilen
Nicht alles, was online steht, ist zitierwürdig. Prüfe jede Quelle nach:
- Peer Review: Wurde der Text von Fachkollegen geprüft? (Zeitschriften mit Peer-Review-Prozess sind Standard)
- Autor: Wer hat geschrieben? Welche Institution, welche Expertise?
- Aktualität: Ist das Erscheinungsjahr für dein Thema relevant?
- Verlag: Renommierte Wissenschaftsverlage (Springer, Wiley, Oxford UP) oder Open-Access-Plattformen mit Review-Prozess?
Blogposts, Wikipedia und populärwissenschaftliche Artikel sind Einstiegspunkte, keine Quellen.
5. Quellen systematisch verwalten
Speichere jede Quelle sofort mit vollständiger Zitation — später wirst du sie nicht mehr finden. Empfehlenswerte Tools:
- Zotero (kostenlos, Browser-Plugin, automatische Metadaten-Erfassung)
- Citavi (an vielen deutschen Hochschulen lizenziert, Windows)
- Mendeley (gut für naturwissenschaftliche Disziplinen)
Lege Ordner nach Thema oder Kapitel an. Schreibe bei jeder Quelle sofort eine Kurznotiz: Kernthese, Relevanz für deine Arbeit, mögliche Zitate.
6. Zugang zu gesperrten Texten
Viele Artikel sind kostenpflichtig. Optionen:
- Bibliotheks-VPN oder Fernleihe (für ältere oder teure Texte)
- Unpaywall (Browser-Plugin, findet legale Open-Access-Versionen automatisch)
- Autor direkt per E-Mail anfragen — die meisten schicken ihre Artikel gerne zu
- ResearchGate und Academia.edu hosten viele Texte im Volltext
Weitere Ratgeber: Ein Thesis-Thema finden | Richtig zitieren